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Bericht des bvU-Präsidenten zum Jahreswechsel 2014/15



Aus Sicht des Berufsverbandes der Österreichischen Urologen war 2014 ein überaus erfolgreiches Jahr. Im Folgenden sollen einige der wichtigsten Ereignisse im Jahresrückblick und eine Vorausschau auf die kommenden Monate dargestellt werden.

Ein Blick auf die Mitgliederstruktur des bvU zeigt uns den wichtigsten Erfolg des vergangenen Jahres: Erstmals zählt der bvU mehr als 300 Mitglieder! Besonders erfreulich ist dabei, dass der Anteil junger Kollegen und der Frauenanteil im bvU deutlich zugenommen hat: Mit 31 Neuzugängen (die meisten seit 2000!) hat sich die Zahl der jungen Mitglieder in Ausbildung von 4 (2013) auf 24 verfünffacht! Ebenso erfreulich ist die 65%ige Zunahme der Urologinnen von 27 (2013) auf 41. Dieser Strukturwandel der bvU-Mitglieder wird eine solide Basis für die zukünftigen Aufgaben bieten. Stark intensiviert haben wir im vergangenen Jahr auch die Serviceangebote für bvU-Mitglieder. So wurde die bvU-Homepage laufend aktualisiert und neue Videos aus der Reihe Mythen in der Urologie online gestellt. Bitte denken Sie daran, Ihre persönlichen Stammdaten mindestens 1-2x pro Jahr zu kontrollieren und gegebenenfalls zu korrigieren!

Wir blicken auf eine erfolgreiche Gruppenkaufaktion zurück. Die sehr unterschiedlichen Angebote zur vorgeschriebenen Technischen Sicherheitsüberprüfung elektronischer Geräte in Ordinationen haben uns zu einer Ausschreibung veranlasst. 70 Mitglieder haben sich für das durchaus angemessene Preis-Leistungsangebot des Bestbieters Firma Dengg entschieden. Wir werden auch im kommenden Jahr wieder Aktionen zu aktuellen Bedürfnissen in Angriff nehmen.

Auch standespolitische Themen sind im vergangenen Jahr erfolgreich bearbeitet werden. So konnten wir in Sachen Urologie der Frau unsere Fachgrenzen zur Gynäkologie klar abstecken. Auch das Thema Hygiene in urologischen Ordinationen wurde ausführlich behandelt. In dankeswerter Kleinarbeit wurde von einer Arbeitsgruppe im bvU-Hauptausschuss unter der Leitung von Dr. Walter Kozak und in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Ärztekammer ein umfassendes Konzept zu fachspezifischen Aspekten der Hygieneverordnung erarbeitet. Die dadurch novellierte Hygieneverordnung wird noch im ersten Quartal 2015 bekannt gegeben, sobald die Beschlussfassung in den Gremien der ÖÄK erfolgt ist. Der bvU wird ein eigenes „Hygienehandbuch“ für Urologen aussenden, das den Ablauf im Ordinationsalltag entsprechend vereinfachen soll.

Besonders intensiviert wurde seitens des bvU die Zusammenarbeit mit der ÖGU. Höhepunkt in diesem war der auf Initiative des bvU-Kassiers Dr. Michael Budinsky bei einem Vorstandstreffen im September des vergangenen Jahres gemeinsam erstellte Masterplan Urologie 2020. Mit diesem Papier werden die Arbeitsschwerpunkte der nächsten fünf Jahre und die Grundstruktur gemeinsamer Aktionen festgelegt.

Fortbildung bildet bekanntlich einen der Hauptschwerpunkte des bvU. Die Frühjahrstagung 2014 am Semmering war ein großer Erfolg und zahlreiche Teilnehmer nutzten den Seminarcharakter des von bvU-Vizepräsident Dr. Georg Ludvik in bewährter Manier zusammengestellten Programmes, um in intensiver Diskussion mit den Vortragenden ihr aktuelles Wissen zu erweitern. An dieser Stelle laden wir Sie auch gleich zur bevorstehenden heurigen bvU-Frühjahrstagung herzlich ein, die von 1.-3. Mai 2015 im komplett renovierten Salzburger Hotel Crown Plaza The Pitter stattfinden wird. Wir werden dort eine moderne komfortable Infrastruktur vorfinden. Tagungsleiter Dr. Ludvik hat für Sie ein spannendes und abwechslungsreiches wissenschaftliches Programm vorbereitet. Auch die Pflege der Gemeinschaft im bvU wird im Rahmenprogramm nicht zu kurz kommen. Als besonderes Service wird es dieses Jahr auch ein Seminar für urologische Assistentinnen geben, bei dem unter anderem die oben genannten Reformen der Hygieneverordnung auch den ausführenden Assistentinnen nahe gebracht werden soll. Wir laden Sie daher jetzt schon herzlich ein, sich rasch anzumelden zumal die Plätze auch heuer wieder begrenzt sind. Vergessen Sie bitte nicht, dass diese Tagung 15 Fortbildungspunkte bereithält. Angesichts der bevorstehenden Evaluierungsrunde durch das Österreichische Institut für Qualität in der Medizin, bei der alle Ordinationsinhaber auch ein gültiges Fortbildungsdiplom der Österreichischen Ärztekammer bzw. diesbezügliche Anstrengungen vorweisen können müssen, eine gewichtige Zahl!

Als weiteres Serviceangebot des bvU gemeinsam mit der ÖGU wird ein Online-Veranstaltungskalender mit Anfang des Jahres frei geschalten. Fortbildungsveranstaltungen können nun in diesen Kalender eingetragen werden, wobei der jeweilige Veranstalter gleich erkennen kann, welche Termine bereits blockiert sind. Ziel ist es, dem Wildwuchs an Fortbildungen Struktur zu verleihen und Terminüberschneidungen möglichst gering zu halten. Seitens des bvU und der ÖGU wird es auch ein Fortbildungszertifikat für adäquate Veranstaltungen geben, so dass die Teilnehmer erkennen können, welche Veranstaltungen für sie von besonderem Wert sind.

Die Überalterung der Gesellschaft mit all ihren Folgen auch für die österreichische Urologie wird wohl das große Thema der nächsten Jahre und Jahrzehnte sein. Einerseits sind davon unsere Patienten betroffen: Die Urologie ist eines der Schlüsselfächer der Gesundheit alternder Menschen und wird in zunehmenden Ausmaß mit Fragestellungen der Urogeriatrie und der urologischen Rehabilitation konfrontiert werden. Da andererseits auch zahlreiche Urologen davon betroffen sind und sich in den Ruhestand zurückziehen werden, wird es bald zu einer steigenden Nachfrage nach ausgebildeten Fachärztinnen und Fachärzten kommen. Die aktuelle Diskussion um spezialisierte, medizinische Zentren bzw. das neuen Arbeitszeitgesetz und anderer legistische Regelungen lassen Veränderungen in Österreichischen Spitalslandschaft erwarten, die möglicherweise zu Standortzusammenlegungen bzw. –schließungen und Spezialisierungen führen könnten. Damit wird jedoch die gesamte Ausbildung zum urologischen Facharzt nicht wie bisher an einer einzelnen Abteilung abgeschlossen werden können. Insbesondere die urologischen Spezialgebiete werden daher zukünftig modulare Ausbildungsformen und die Rotation der Ausbildungsassistenten an andere Abteilungen erfordern. Gemeinsam mit der ÖGU hat der bvU daher am neuen Ausbildungscurriculum für angehende Urologen mitgearbeitet. Kern des neuen, ab Juli 2015 gültigen Konzepts ist eine gemeinsame Grundausbildung in Notfallmedizin, und anschließend die Basisausbildung zum Allgemeinmediziner bzw. Facharzt. Während dieser Basisausbildung können dann erweiternde Spezialmodule gewählt werden, wobei mindestens drei davon zu absolvieren sind. Diese umfassen Kinderurologie, Blasenfunktionsstörung und Urodynamik, Andrologie und sexuelle Funktionsstörungen, Fortgeschrittene urologisch-onkologische Chirurgie, Laparoskopie und minimalinvasive Therapie und erstmals auch Urogeriatrie, sowie das allgemeine Modul „Durchführung klinischer Studien“. Diese Neuerungen werden ein hohes Maß an Anpassung erfordern und gewiss diverse eingefahrene Strukturen über den Haufen werfen. Nichtsdestoweniger bieten sie aber große Chancen für die Zukunft.

Solche massiven Veränderungen werden auch nicht spurlos an der niedergelassenen Urologenschaft vorübergehen. Zweifellos wird in den nächsten Jahren die Erweiterung des Leistungsspektrums und der Ordinationsöffnungszeiten bevorstehen. Da viele unter den Urologinnen und Urologen in den Ordinationen jetzt schon unter maximaler Belastung stehen, werden neue Konzepte der Aufgabenteilung im Sinne von Kooperationen mit anderen Ärzten und auch nichtärztlichen Gesundheitsberufen unumgänglich sein. Verbesserungen wird es auch in der Kommunikation zwischen Spitalsabteilungen und Ordinationen geben müssen, um die Arbeitsteilung auch für Patienten nicht zur Odyssee werden zu lassen. Aber auch das Angebot einer urologischen Lehrpraxis wird für manche Ordinationen eine interessante Option darstellen. Der bvU wird sich in den nächsten Monaten intensiv mit diesen Themen auseinandersetzen um Lösungen für diese schwierigen Fragen zu finden.

Weiter verstärken werden wir auch die Anstrengungen im Rahmen der Qualitätspartnerschaft Urologie. Die ersten Auswertungen der sehr erfolgreichen Sammlung von medizinischen Daten aus der Versorgung der urologischen Patienten werden nächstes Jahr bevorstehen und wir haben allen Anlass, hochwertige Publikationen zu erwarten. Neue Studienzweige zum kastrationsresistenten Prostatakarzinom wurden bereits in Angriff genommen, weitere auch zu anderen Bereichen der Urologie werden folgen.

Da es aber nicht genügt, Ideen zu haben und sie umzusetzen, sondern in einer Informationsgesellschaft darüber auch gesprochen werden muss, werden wir unsere Öffentlichkeitsarbeit in Form von Themenschwerpunkten intensivieren. Für unsere Patienten bedeutsame strukturelle Fortschritte werden wir entsprechend publizieren und auf die qualitätsvolle urologische Versorgung der Österreichischen Bevölkerung hinweisen. Nach der großen Kampagne im vergangenen Jahr zum Thema Rauchen und Urologie, das uns sehr viel Publizität und zahlreiche sehr positiv beurteilte Veranstaltungen beschert hat, wird 2015 das Jahr der Männergesundheit. Im Rahmen einer Zusammenarbeit zwischen bvU und ÖGU einerseits und der Österreichischen Krebshilfe andererseits wird dieses Thema einer breiten Öffentlichkeit näher gebracht. Dabei werden die neuesten Erkenntnisse zu den andrologischen und onkologischen Themen der Urologie des Mannes dargestellt. Hierzu wird der bvU ein neues Patienteninformationsvideo aus der Reihe „Mythen in der Urologie“ veröffentlichen. Einen festen Bestandteil wird, wie in den vergangenen Jahren auch wieder die Aktion Movember bilden. Die nächsten Schwerpunkte werden die Urologie der Frau und die Kinderurologie bilden. Auch hier sind bereits Projekte in Planung.

Sie sehen, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, dass der bvU nicht nur an seiner Verjüngung und an zukunftsweisenden Projekten arbeitet, sondern auch, dass wir uns ein sehr großes Arbeitspensum vorgenommen haben. Das alles kann natürlich nur unter Mitwirkung Vieler bewältigt werden. Wir fordern Sie alle daher auf, mitzuarbeiten, Ideen einzubringen, konstruktive Kritik zu üben und vor allem die Veranstaltungen des bvU konsequent zu besuchen. Dadurch bleiben wir miteinander im Gespräch und Sie auf dem letzten Stand der Dinge!

In diesem Sinn wünschen wir Ihnen allen ein gesundes und glückliches Neues Jahr und dem bvU auch weiterhin Erfolg und Zuspruch!


Herzliche Grüße,
Karl Dorfinger
bvU-Präsident